NEUE VERWERTUNGSPL�NE DER STUDIOS STOSSEN AUF HEFTIGE PROTESTE
Seit ein paar Wochen gibt es in Hollywood nur noch ein Thema. Diskussionen �ber die stark r�ckl�ufigen DVD-Verk�ufe, die unterschiedliche Akzeptanz von 3D oder �ber die notwendige Modernisierung der Filmtheater, die monatelang Gespr�chsstoff waren, sind in den Hintergrund getreten. Auch die fragw�rdig dichte Programmierung superteurer Effektfilme w�hrend der Sommermonate wird neuerdings mit Gelassenheit hingenommen. Das Thema, das ganz Hollywood besch�ftigt, ist "Premium VOD", die zeitlich vorgezogene Auswertung neuer Filme im Videoon-Demand, dem immer popul�rer werdenden Abruf-Fernsehen. An dieser Stelle war schon zu lesen, dass vier gro�e HollywoodStudios - 20th Century Fox, Sony, Universal und Warner Bros. - f�r eine bisher unbestimmte Zahl von Filmen die Alleinauswertung durch die Erstauff�hrungskinos von 90 auf 60 Tage verk�rzen wollen (vgl. fd 9/11). Ende April haben die Studios nun unter dem Motto "Home Premiere" damit Ernst gemacht. Als erster Film, der einen Monat fr�her als �blich den Filmtheatern in einem anderen Medium Konkurrenz machte, wurde die AdamSandler-Kom�die "Just Go With It" ("Meine erfundene Frau") beim Satellitenanbieter DirecTV aufs Programm gesetzt F�r 30 Dollar l�sst sich der Film dort jetzt als Premium VOD abrufen. Der Anfang ist gemacht Die Branche ist in Aufruhr.
Regisseure sind beunruhigt
Es fiel einer Gruppe von Regisseuren zu, den protestierenden Kinobesitzern beizustehen. In einem "Offenen Brief zum Schutz des Kinoerlebnisses" stellen sie die Weisheit des Premium VOD in Frage. James Cameron, einer der Unterzeichner, sagt in einer den Brief begleitenden Presseerkl�rung: "Das Kinoerlebnis ist die Quelle unseres ganzen Gesch�fts, unabh�ngig davon, auf welchen Plattformen sich die Auswertung sp�ter abspielt Wenn die Kinobesitzer beunruhigt sind, bin ich beunruhigt. Warum um in aller Welt w�rde man dem Publikum einen Anreiz geben wollen, auf die h�chste und beste Auswertungsform zu verzichten?" Die Verfasser des Briefes sprechen nicht nur von der Bef�rchtung, dass "der Eingriff in das derzeitige KinoFenster dem Finanzmodell unserer Filmindustrie unreparierbaren Schaden zuf�gen" k�nnte. Sie sehen auch voraus, dass aus den 30 Dollar, die heute f�r die Besichtigung eines Premium-VODFilms gezahlt werden m�ssen, in ein paar Jahren 9,99 Dollar werden k�nnten. Das aber k�me einer "Kannibalisierung des Umsatzes der Filmtheater" gleich. Au�er Cameron haben Kathryn Bigelow, Michael Bay, Peter Jackson, Guillermo del Toro, Michael Mann, Roland Emmerich und 16 weitere Regisseure die Erkl�rung unterschrieben. Sp�testens mit der Ver�ffentlichung dieses Briefes ist das Thema Premium VOD von einem internen Streitobjekt zwischen Studios und Theaterbesitzern zu einer �ffentlichen Kontroverse geworden, an der sich binnen weniger Tage auch Presse und Internet lebhaft beteiligten. Die einzige Institution, die beharrlich schweigt, ist die Motion Picture Association of America (MPAA), die Interessenvertretung der Hollywood- Studios. Als der wortgewandte und in politischen Kreisen einflussreiche Jack Valenti noch an deren Spitze stand, h�tte man l�ngst ein - h�chstwahrscheinlich schlichtendes - Wort von ihr geh�rt. Doch der erst k�rzlich zu ihrem Chef bestellte Christopher Dodd, ein ehemaliger Senator aus Connecticut, will sich wohl nicht mit einem Thema in die Nesseln setzen, das auch ohne die MPAA schon gen�gend Wellen geschlagen hat Die Kinobesitzer bef�rchten, dass es bei der Einf�hrung von Premium VOD und damit der automatischen Verk�rzung des ihnen bisher zugestandenen Alleinauswertungsrechts um nichts Geringeres als die Zukunft ihres Gesch�fts geht Sie drohen mit Gegenma�nahmen. Die beiden gr��ten amerikanischen Theaterketten haben bereits einen eigenen Verleih gegr�ndet Die Kinobesitzer wollen k�nftig keine Trailer von Filmen mehr zeigen, die f�r das Premium VOD vorgesehen sind, oder sich die Vorf�hrung dieser Trailer von den Studios bezahlen lassen. Sie haben auch Forderung nach einer h�heren Beteiligung am Einspielergebnis solcher Filme verlauten lassen. Sie wissen, dass sie letztlich am k�rzeren Hebel sitzen, wie das schon in der Vergangenheit der Fall gewesen ist, als Fernsehen, Videokassette und DVD ihr Gesch�ft bedrohten. Inzwischen melden sich nun auch Veteranen der Filmindustrie wie der einstige Pr�sident von MCA-Universal, Sidney Sheinberg, zu Wort, der die aufgebrachten Gem�ter mit dem Hinweis auf fr�here Erfahrungen zu bes�nftigen versucht Keine der vielen neuen Technologien, sagt Sheinberg, habe es jemals geschafft, eine ernsthafte Bedrohung f�r das Kino zu werden. Was er dabei au�er Acht l�sst, ist die Tatsache, dass keine der einstigen Neuerungen gleichzeitig auf ein so fundamental sich ver�nderndes, erstmals wirklich konkurrenzf�higes Rezeptionsumfeld gesto�en sind, wie es sich dem Publikum heute mit Gro�bildschirmen, HD-Technik, Home-Theater-Anlagen und Computern anbietet F�r viele Bev�lkerungsgruppen ist die Verlockung, sich ein eigenes Kino in der Bequemlichkeit ihres Hauses und ihres Freundeskreises zuzulegen, kein unerf�llbarer Traum mehr.
Beispiel Hotel-Fernsehen
W�hrend sich Kinobesitzer und Studios mit noch wenig konkreten Beschuldigungen in den Haaren liegen, versuchen besonnenere Zeitgenossen, etwas Durchblick zu bekommen, womit denn nun eigentlich zu rechnen ist, wenn die Studios mit Premium VOD weiter Ernst machen. Hilfreich bei der Debatte kann ein Blick auf das in �ber 10.000 nordamerikanischen Hotels installierte Filmangebot von LodgeNet sein, das HollywoodProduktionen schon kurz nach ihrer Kinopremiere verf�gbar macht Es ist aufschlussreich, dass die erfolgreichsten Filme, also jene Filme, die von Hotelg�sten am h�ufigsten gesehen wurden, gar nicht die gro�en Kinohits sind, sondern Titel wie "The Blind Side", LodgeNets meistgesehener Film im vergangenen Jahr, "Couples Retreat", "Date Night" und "Robin Hood". Erst mit Abstand folgen "Avatar" und "Salt". Wenn diese Erfahrung auch f�r die Nutzung des Premium VOD ein Indiz sein k�nnte, hie�e das, dass alle jene Recht h�tten, die nicht daran glauben, dass die eigentlichen "Moneymakers" Einbu�en in der Kinoauswertung hinnehmen m�ssen, sondern dass es eher Filme der zweiten Kategorie sind, die im Premium VOD das Gesch�ft machen werden. F�r die aufw�ndigen, gro� annoncierten Filme, folgern Anh�nger dieser Theorie, werde das Publikum auch weiterhin das Kino bevorzugen, w�hrend jene Filme, die vergleichbar bei LodgeNet am begehrtesten sind, ihr Kinodasein ohnehin nach ein paar Wochen beenden.
Ahnlich argumentierten Mitte Mai auch Time-Warner-Chef Jeff Bewkes und CBS-Chef Leslie Moonves bei einem InvestorenTreffen in New York. Sie f�gten ein weiteres gewichtiges Argument hinzu, das in der Debatte bisher zu wenig beachtet worden ist Es sei n�mlich genau die Zeitspanne zwischen dem Ende der tats�chlichen Kinoauswertung eines Films und dessen Erscheinen in einem nachgeordneten Medium, sagte Bewkes, in der Filme besonders anf�llig f�r Piraterie seien. In der Tat l�sst sich nachweisen, dass unberechtigt hergestellte DVDs von neuen Filmen ihre gr��te Verbreitung w�hrend und unmittelbar nach der Kinoauswertung finden. Die Studios, gaben deren Chefs zu bedenken, m�ssten nach M�glichkeiten suchen, die "�konomisch wei�e Zeit" zwischen Kino und legitimer DVD zu verk�rzen, um den Millionenschaden, der ihnen jedes Jahr durch Piraterie entsteht, einzud�mmen. Leslie Moonves spricht inzwischen sogar von "einer Krise", in der die Kinobesitzer ihr Denken �ndern m�ssten. John Fithian, Pr�sident des Verbandes der Filmtheaterbesitzer, schlug prompt mit ungewohnter Sch�rfe zur�ck: "Vergebt uns, wenn wir es ablehnen, gesch�ftliche Lektionen von einem Industriezweig anzunehmen, der die Werterosion selbst erm�glicht hat." Der Streit wird wohl weitergehen, bis sich in der Praxis erweist, wer Recht hat oder den l�ngeren Atem besitzt Franz Everschor

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